Experten Blog

Lesen Sie hier neue Fachbeiträge von Prof. Keck und anderen ärztlichen Kollegen rund um die Themen Gynäkologie, Endokrinologie und Labormedizin – mit aktuellen Erkenntnissen aus der ärztlichen Praxis. Natürlich sind Sie auch herzlich eingeladen: Tauschen Sie sich mit uns aus, senden Sie uns Ihre Beiträge, Themen oder Kommentare!

 

 

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Alkohol in der Postmenopause führt zu Muskelabbau
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 02.10.2017
  • Studie

In einer aktuellen koreanischen Studie wurde der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Muskelmasse bei postmenopausalen Frauen untersucht. Hierzu wurde die Muskelmasse von 2373 koreanischen postmenopausalen Frauen ermittelt und die Probandinnen wurden ihrem Alkoholkonsum entsprechend in drei Gruppen eingeteilt. Es zeigte sich, dass das Risiko für einen signifikanten Verlust an Muskelmasse bei den Frauen mit erhöhtem Alkoholkonsum viermal höher war als bei den Frauen, die angaben, keinen Alkohol zu trinken. Ein Kritikpunkt der Studie besteht darin, dass unklar bleibt, ob der erhöhte Alkoholkonsum als Hinweis für einen insgesamt schlechteren Lebenswandel mit ungesunder Ernährung und wenig Bewegung zu werten ist. Ebenso bleibt fraglich, ob durch eine Östrogentherapie kombiniert mit Bewegungsübungen dem Muskelmasseverlust adäquat entgegengewirkt werden kann. (Menopause (2017) DOI 10.1097/GME000000000000879)   

Verbessert eine Lipidsenkung die Prognose des Mammakarzinoms?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 28.09.2017
  • Forschung

In einer aktuellen Untersuchung der Forscher am Dana-Farber Cancer Institute der Harvard Medical School in Boston wurde die Hypothese, dass die Kombination einer endokrinen Therapie mit zusätzlicher Gabe von Lipidsenkern die Prognose beim  Frühstadium des Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinoms verbessert, überprüft. Hierzu wurden 659 Frauen während der endokrinen Therapie gleichzeitig mit Lipidsenkern behandelt. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Median acht Jahre. Es zeigte sich, dass die Lipidsenkung das Risiko für Fernmetastasen signifikant senkte. Ebenso wurde das Risiko für ein invasives Mammakarzinom reduziert.  Die Wahrscheinlichkeit für krankheitsfreies Überleben stieg um 21%. Dies sind vielversprechende Daten, die nun an größeren Kollektiven geprüft werden müssen, die aber auf den engen Zusammenhang zwischen Fettstoffwechsel und Karzinomrisiko hinweisen. (Borgquist et al. J Clin Oncol (2017) 11:1179-1188)

Beeinflusst der Zyklus die kognitive Leistungsfähigkeit der Frau?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 25.09.2017
  • Gynäkologie

Immer wieder berichten Frauen in der Sprechstunde, dass sie während der Menstruation mental nicht so leistungsfähig sind wie außerhalb der Blutung. „Da bin ich nicht so ganz auf der Höhe…..“ ist ein vielgehörter Satz. Eine aktuelle Studie hat das Arbeitsgedächtnis, kognitive Verzerrungen und die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit gleichzeitig auf zwei Dinge zu richten, untersucht. Dabei wurde die Leistungsfähigkeit über zwei Zyklen mit den entsprechenden hormonellen Parametern korreliert. Es zeigte sich, dass die physiologischen Schwankungen der Hormone Östradiol, Progesteron sowie Testosteron keinerlei Einfluss auf die o.g. Parameter hatten. Es handelt sich somit wohl eher um das subjektive Empfinden der betroffenen Frauen. Eine hormonelle Erklärung für die zyklusabhängig unterschiedliche Leistungsfähigkeit gibt es wohl nicht. (Leeners, Front Behav Neurosci (2017) DOI 10.3389/fnbeh.2017.00120)

Verhindert langes Stillen Herzinfarkt und Schlaganfall?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 21.09.2017
  • Studie

Es ist seit langem bekannt, dass Stillen zahlreiche positive Auwirkungen auf die Gesundheit des Kindes hat. Ebenso ist bekannt, dass Stillen bei der Frau zu einer Verringerung des Cholesterinspiegels, des Blutdrucks sowie der Glukosewerte führt und damit zur Gewichtsregulation nach der Schwangerschaft beiträgt. Eine aktuelle Studie beschäftigt sich nun mit den langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Frau. Hierzu haben die Wissenschaftler chinesische Frauen über einen Zeitraum von acht Jahren untersucht und festgestellt, dass es in Abhängigkeit von der Stilldauer zu einer Abnahme der kardiovaskulären Ereignisse kommt: Frauen, die bis zu sechs Monate lang gestillt haben, konnten damit das Risiko einer kardiovaskulären Erkrankung um 1% senken, bei einer Stilldauer von 6-12 Monaten, 12-18 Monaten bzw. 18-24 Monaten betrug die Risikoreduktion 7%, 11% bzw. 13%. Damit führt jedes zusätzliche halbe Jahr des Stillens zu einer Risikoreduktion von 4% für koronare Herzerkrankungen. Neben kardiovaskulären Erkrankungen lässt sich auch für das Auftreten eines Apoplex pro halbem Jahr Stillen eine Risikoreduktion von 3% konstatieren. Die Autoren geben keinen Hinweis auf den kausalen Zusammenhang zwischen Stillen und der Risikoreduktion für kardiovaskuläre Erkrankungen. Unabhängig davon, tragen die Ergebnisse dieser Studie dazu bei, die positiven Auswirkungen des Stillens nochmals zu unterstreichen und darzustellen, dass sich diese positiven Aspekte nicht nur auf die Gesundheit des Kindes sondern auch der Mutter beziehen. (Peters SAE et al. J Am Heart Assoc. 2017.6:e006081.https://doi.org/10.1161/JAHA.117.006081) 

Erhöht die vaginale Östrogentherapie das Karzinomrisiko?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 19.09.2017
  • Brustkrebs

Seit Jahren wird das mit einer Hormonsubstitution einhergehende Karzinomrisiko kontrovers diskutiert. So gilt inzwischen als gesichert, dass eine langjährige (> 5 Jahre) kombinierte Östrogen-Gestagen-Substitution zu einem Anstieg des Brustkrebs-Risikos führt. Ebenso müssen bei postmenopausalen Frauen die Risiken thrombo-embolischer Ereignisse unter Hormonsubstitution beachtet werden. Bei lokalen, d.h. vaginalen postmenopausalen Beschwerden besteht die Indikation zur lokalen Östrogentherapie. Dadurch kommt es zu einer Verbesserung des vaginalen Schleimhautmilieus und zum Nachlassen der typischen Beschwerden.

Eine aktuelle Studie geht nun der Frage nach, ob die topische Östrogentherapie einen Einfluss auf das Karzinomrisiko hat bzw. die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen erhöht. Die Auswertung erfolgte anhand von Daten der Women´s Health Initiative Observational Study.

Die Autoren konnten nunmehr Entwarnung geben: So konnte bei Östrogen-Anwenderinnen mit intaktem Uterus kein erhöhtes Risiko für invasiven Brustkrebs oder für Darm- und Endometriumkarzinome im Vergleich zu Nichtanwenderinnen festgestellt werden. Darüber hinaus war das Risiko für Herzerkrankungen sowie Hüftfrakturen bei den Östrogenanwenderinnen sogar niedriger.  Das Risiko für Lungenembolien sowie tiefe Beinvenenthrombosen unterschied sich nicht zwischen Anwenderinnen und Nichtanwenderinnen. Es bleibt somit dabei, dass Frauen mit vaginalen postklimakterischen Beschwerden eine topische Östrogentherapie vorbehaltlos angeboten werden kann. (Crandall et al., Menopause 2017; doi.org/10.1097)

Unerfüllter Kinderwunsch und Sexualität
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 11.09.2017
  • Gynäkologie

Sexualität gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen und ihre Bedeutung geht weit über die reine Fortpflanzung hinaus. Die meisten Menschen würden sicher bestätigen, dass für sie eine befriedigende Sexualität zu einer guten Lebensqualität gehört. Natürlich ist Sexualität eine Grundvoraussetzung zur Erfüllung des Kinderwunsches, jedoch finden sich gerade bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch oftmals Störungen des Sexuallebens. Insbesondere kommt es, sobald die Diagnose einer Fertilitätsstörung gestellt wurde, oftmals zu einer Reduktion der sexuellen Aktivität des Paares. 

Etwa 40% der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch berichten über Störungen der Sexualität, betroffene Frauen geben sogar in 56-76% der Fälle entsprechende Probleme an. Dabei stehen Lustlosigkeit, Orgasmusstörungen, Dyspareunie, Vaginismus sowie Erregungsstörungen im Vordergrund.  Bei den betroffenen Männern berichten 31% über Sexualstörungen infolge des unerfüllten Kinderwunsches. Dabei spielen Erektionsstörungen sowie die Ejakulatio präcox mit 16-22% bzw. 16-32% die größte Rolle. 

Die Autoren der aktuellen Studie empfehlen folgende Lösungsstrategien zur Gestaltung der Sexualität vor dem Hintergrund des unerfüllten Kinderwunsches: 

  • Bewusst sexuelle Aktivität außerhalb des fertilen Zeitraums im Zyklus anstreben
  • Aufklärung über den sinnvollen Zeitraum und sinnvolle Frequenz für den Geschlechtsverkehr im Hinblick auf den Schwangerschaftswunsch
  • Gezielte Therapie definierter Störungen, z.B. Phosphodiesterase-5-Hemmer bei erektiler Dysfunktion, lubrifizierende Substanzen bei Dyspareunie etc.
  • Bei Therapierefrakterität:gezielte Sexualtherapie des Paares

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sexuelle Störungen nur sehr selten als Ursache, aber vergleichsweise häufig als Folge des unerfüllten Kinderwunsches auftreten. Sexuelle Störungen stellen dann einen zusätzlichen „Stressfaktor“ für das Paar dar. Gezielte Aufklärung und Beratung kann den Paaren oftmals den „Druck“ nehmen und damit wieder erfüllte Sexualität ermöglichen. In therapieresistenten Fällen kommt ggf. die sexualtherapeutische Intervention in Frage.

Lit.: Leeners et al.: Unerfüllter Kinderwunsch und Sexualität. Gynäkologische Endokrinologie 2017; 15, 193-199

Hormonbehandlung bei Frauen nach Brustkrebstherapie
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 07.09.2017
  • Brustkrebs

Aktuell leiden geschätzt mehr als neun Millionen Frauen weltweit nach Brustkrebsbehandlung an klimakterischen Symptomen. Je nach Tumortyp kommt für viele Frauen dann eine klassische Hormonersatztherapie nicht in Frage, da sich ansonsten das Rezidivrisiko erhöhen würde. 

Als erste Maßnahme empfiehlt man diesen Frauen eine Lebensstilintervention, ebenso scheinen gerade Frauen mit eher milden bzw. moderaten Symptomen von den Möglichkeiten der nicht–hormonalen Pharmakotherapie zu profitieren. Serotonin-Reuptake-Hemmer sowie Gabapentin haben nachgewiesenermaßen positive Wirkungen auf Hitzewallungen und auf die allgemeine Lebensqualität. Zur Osteoporoseprophylaxe stehen ebenso eine Reihe nicht-steroidaler Präparate zur Verfügung. Bislang ist unklar, ob man Frauen nach Brustkrebstherapie bedenkenlos langfristig lokale Östrogene zur Behandlung der vulvu-vaginalen Atrophie empfehlen kann. Die intravaginale Gabe von DHEA scheint sich zwar günstig auf die Dyspareunie auszuwirken, jedoch gibt es bislang nur wenige Daten zur langfristigen Sicherheit dieser Therapie im Hinblick auf das Rezidiv-Risiko beim Mammakarzinom. Aktuell werden folgende Substanzen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei postmenopausalen Symptomen sowie ihrer Sicherheit bei Frauen im Zustand nach Mammakarzinom getestet: Lasofoxifen, Neurokinin-B-Inhibitoren und vaginale Testosterongabe. Eine abschließende Bewertung hierzu liegt noch nicht vor.

Die Autoren eines aktuellen Übersichtsartikels empfehlen angesichts der Vielzahl der verfügbaren nicht-hormonalen Therapiemöglichkeiten zunächst diese Optionen auszuschöpfen und individualisierte Behandlungskonzepte zu erstellen, bevor das potenzielle Risiko einer konventionellen HRT in Kauf genommen wird. (Managing menopausal symptoms and associated clinical issues in breast cancer survivors. Richard J Santen et al. JCEM, 2017-01138)

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