Experten Blog

Lesen Sie hier neue Fachbeiträge von Prof. Keck und anderen ärztlichen Kollegen rund um die Themen Gynäkologie, Endokrinologie und Labormedizin – mit aktuellen Erkenntnissen aus der ärztlichen Praxis. Natürlich sind Sie auch herzlich eingeladen: Tauschen Sie sich mit uns aus, senden Sie uns Ihre Beiträge, Themen oder Kommentare!

 

 

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Lustpille für die Frau?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 23.10.2017
  • Gynäkologie

Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde Flibanserin von der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) zur Behandlung der „hypoactive sexual desire disorder“ bei prämenopausalen Frauen zugelassen, nachdem es ursprünglich als Antidepressivum eingesetzt wurde. In den entsprechenden Zulassungsstudien zeigte sich für Flibanserin eine signifikante „Luststeigerung“ gegenüber dem Plazebo, jedoch stieg die Anzahl befriedigender sexueller Aktivitäten pro Monat lediglich um 0,5 bis 1. Dies, sowie die Umstände, unter denen Flibanserin in den Markt eingeführt wurde, hat zu heftigen und kontroversen Diskussionen geführt. Bis heute liegen keine Langzeitstudien oder Daten zur Akzeptanz der Langzeiteinnahme des Präparates vor. Darüber hinaus ist Flibanserin auch in Europa bisher nicht für die Behandlung der HSDD zugelassen. Fazit: Ungeachtet der initialen Euphorie zur „Lustpille für die Frau“ steht bis heute kein überzeugendes Medikament zur Verfügung, das bei Frauen mit Libidomangel/-verlust mit signifikantem Effekt eingesetzt werden kann. (Vonzun L: Die Lustpille für die Frau. Fakten und Fiktion. Gynäkologische Endokrinologie 2017; 15: 221-224) 

Androgene als “Wundermittel” zur Steigerung der weiblichen Libido?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 19.10.2017
  • Gynäkologie

Der Libidomangel oder Libidoverlust gehört zu den relativ häufigen Themen in der gynäkologischen Sprechstunde. Insbesondere in Zeiten der „hormonellen Umstellung“, wie beispielsweise nach Schwangerschaft und Geburt bzw. postmenopausal, führt die subjektiv empfundene Abnahme des sexuellen Antriebs für viele Frauen zu einer Einschränkung der Lebensqualität. Wenden sich diese Frauen an den Gynäkologen, stellt sich zunächst die Frage nach den Ursachen des Libidomangels und natürlich auch nach den Therapiemöglichkeiten. Dabei werden insbesondere androgen wirksame Hormonpräparate als Substanzen zur Steigerung des sexuellen Antriebs nachgefragt. Androgene spielen nachweislich eine wichtige Rolle für die weibliche Sexualität, und extrem niedrige Serumkonzentrationen von Testosteron, Androstendion und/oder Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS) wurden mit einem Libidomangel assoziiert: Jedoch fehlen Definitionen und Referenzbereiche, die einen Androgenmangel als Ursache der Libidostörung klassifizieren könnten. Damit gibt es keine klaren medizinischen Indikationen zur Androgentherapie bei den betroffenen Frauen. Bei Frauen mit HSDD (hypoactive sexual desire disorder) kann eine niedrig dosierte Testosterontherapie in Erwägung gezogen werden, wobei sorgfältig auf potenzielle Nebenwirkungen geachtet bzw. darüber aufgeklärt werden muss. Ist nach sechs Monaten keine klinische Verbesserung zu verzeichnen, sollte die Therapie abgebrochen und dann z. B. der Einsatz sexualtherapeutischer Maßnahmen diskutiert werden. (Sartorius G: Androgene und weibliche Libido. Gynäkologische Endokrinologie 2017; 15: 212-220).

Erhalt der Fruchtbarkeit trotz Gebärmutterkrebs?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 17.10.2017
  • Studie

Das Endometriumkarzinom tritt in sieben bis acht Prozent der Fälle bei Frauen unter 45 Jahren auf. Bei einigen dieser Frauen besteht noch Kinderwunsch, daher stellt sich die Frage, ob eine konservative, d. h. eine gebärmuttererhaltende Therapie, möglich ist. 

In einer aktuellen Studie aus den USA wurden 6.339 Frauen untersucht, bei denen eine Frühform des Endometriumkarzinoms vorlag. 161 Frauen wurden primär hormonell behandelt, 6.178 wurden primär operiert. Nach 15 Jahren Beobachtungszeit ergab sich für beide Gruppen kein Unterschied in der Mortalität. 

Das Fazit der Forscher lautet entsprechend: Bei niedriggradigem Endometriumkarzinom jüngerer Frauen kann eine fertilitätserhaltende Hormontherapie angeboten werden. Nach Abschluss der Familienplanung sollte dann jedoch umgehend die Hysterektomie erfolgen.(Literatur: Greenwald ZR et al. Does hormonal therapy for fertility preservation affect the survival of young women with early-stage endometrial cancer? Cancer. 2017; 123 (9) 1545-54).  

Krebsrisiko durch Einnahme der Pille?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 12.10.2017
  • Studie

Seit Jahren wird – zum Teil kontrovers – diskutiert, ob die Einnahme der Anti-Baby-Pille zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Es scheint durch Einnahme der Pille für bestimmte Krebsarten eine Abnahme, für andere Krebsarten jedoch eine Zunahme des Risikos vorzuliegen. 

 

Eine aktuelle Studie wertet die Daten der „UK Royal College of General Practitioners´ Oral Contraception Study“ aus. Diese Studie wurde in den 1960er Jahren durchgeführt. Mehr als 20.000 Frauen, die entweder orale Kontrazeptiva eingenommen oder aber mit anderen Methoden verhütet hatten, wurden verglichen. 

 

Nach inzwischen mehr als 40 Jahren Beobachtungszeit finden sich folgende Ergebnisse: Durch die Pilleneinnahme ergab sich ein insgesamt um 4% geringeres Krebsrisiko (das ist statistisch nicht signifikant). Im Vergleich zu Nicht-Anwenderinnen sank das Risiko durch die Pilleneinnahme für Kolorektalkarzinome auf 81%, für Endometrium-Karzinome auf 66%, für das Ovarial-Karzinom auf 67% sowie für lymphatisch-hämatopoietische Krebsarten auf 74%. Im Gegensatz dazu stieg innerhalb der ersten fünf Jahre nach Beendigung der Pilleneinnahme das Risiko für eine Mammakarzinom-Erkrankung um den Faktor 1,48 sowie das Risiko für ein Zervixkarzinom um den Faktor 2,32.  In Summe kann man somit die Patientinnen dahingehend beraten, dass das Krebsrisiko durch die Pilleneinnahme auf Lebenszeit nicht erhöht wird, sondern tendenziell sogar gesenkt wird. (Literatur: Iversen L et al.; Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 580 ff.)

Kann „Frau“ durch körperliche Aktivität das Risiko für Brustkrebs senken?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 10.10.2017
  • Brustkrebs

Etwa jede zehnte Frau wird statistisch im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Es ist seit langem bekannt, dass körperliche Aktivität das individuelle Erkrankungsrisiko senkt. Eine holländische Arbeitsgruppe hat nun erforscht, welche Aktivitäten den größten protektiven Effekt haben. Dabei zeigt sich, dass die stärksten Effekte – im Vergleich zu beruflichen und häuslichen Aktivitäten – durch den Freizeitsport erzielt werden. Dabei besteht sogar eine Dosis-Wirkungsbeziehung: Je höher die Trainingsintensität ist, desto stärker kann das Krebsrisiko gesenkt werden.

Pathophysiologisch scheint sich vor allem auszuwirken, dass es durch körperliche Aktivität zum Absinken des Östrogenspiegels kommt. Ferner wird eine potenziell vorliegende Insulinresistenz abgemildert. Darüber hinaus zeigt körperliches Training günstige Effekte auf die Expression proinflammatorischer Zytokine. All diese Mechanismen tragen zur Reduktion des Risikos bei. Bislang ist unklar, ob auch Frauen mit einer BRCA1/2-Mutation ihr Erkrankungsrisiko durch körperliche Aktivität senken können. Bereits erkrankte Frauen können durch entsprechendes Training ihr Rezidivrisiko sowie die Mortalität senken. (Literatur: de Boer MC et al. The mechanisms and effects of physical activity on breast cancer. Clin Breast Cancer 2017; 17: 272-278) 

Adipositas – eine Herausforderung für die Gesundheit der Frau
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 06.10.2017
  • Gynäkologie

Jede fünfte Frau in Deutschland ist nicht nur übergewichtig, sondern adipös – und die Tendenz ist steigend. Krankhafte Fettleibigkeit steigert nicht nur das Risiko für Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen,  sie erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung gynäkologischer Karzinome, für Unfruchtbarkeit sowie für Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt.Adipositas reduziert die durchschnittliche Lebenserwartung bei Frauen um etwa neun Jahre. Bei adipösen Frauen können Stoffwechselprodukte und Wachstumsfaktoren aus dem Fettgewebe zu hormonellen Ungleichgewichten und gravierenden Erkrankungen führen. Das Risiko an einem Endometriumkarzinom zu erkranken, liegt bei Frauen mit einem BMI ab 30 um mehr als das Zweieinhalbfache höher als bei Frauen mit einem BMI unter 25. Eine Reihe weiterer Studien hat ergeben, dass sich auch bei anderen Krebsarten das Risiko mit steigendem BMI erhöht. So ist für adipöse Frauen die Wahrscheinlichkeit an einem Mammakarzinom zu erkranken 1,5-mal so hoch wie für Normalgewichtige. Adipöse Frauen haben ein signifikant erhöhtes Risiko dauerhaft unfruchtbar zu bleiben. Auch die Wahrscheinlichkeit von Fehlbildungen steigt. Das ist umso dramatischer, als Fettleibigkeit die Entdeckung von Fehlbildungen im Ultraschall erschwert oder sogar verhindert. Zudem wächst durch Übergewicht die Gefahr einer Fehlgeburt. Das Risiko eines intrauterinen Fruchttodes beträgt bei adipösen Schwangeren nach der 30. Woche fast das Fünffache im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen. Eine verbreitete gynäkologische Erkrankung, die ebenfalls zusammen mit Adipositas auftritt, ist das Polyzistische Ovarsyndrom (PCOS). Es handelt sich dabei um die häufigste endokrine Frauenkrankheit. An ihr leiden fünf bis acht Prozent aller Frauen in Europa. Das PCOS geht vielfach mit Insulinresistenz, Zyklusstörungen, Hirsutismus, Akne sowie mit einem erhöhten Risiko für Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten einher. Trotzdem wird diese hormonelle Erkrankung noch zu häufig übersehen, falsch diagnostiziert oder nicht ernst genug genommen. Angesichts der o.g. Zusammenhänge gehört es heute zu den vordringlichen Aufgaben des Frauenarztes, adipöse Patientinnen zu beraten und ihnen eine entsprechende gezielte Diagnostik anzubieten. Nur damit kann dann ein individuelles Therapiekonzept entwickelt werden, um für die Patientin eine signifikante und nachhaltige Gewichtsreduktion zu erzielen. 

Ist die E-Zigarette eine gute Alternative für werdende Mütter?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 04.10.2017
  • Studie

Es ist heute völlig unstrittig, dass das Rauchen in der Schwangerschaft mit zahlreichen relevanten Risiken für das Ungeborene verbunden ist. Es kommt sowohl zu kurzfristigen Gesundheitsrisiken, die schon während der Schwangerschaft bzw. unmittelbar nach der Entbindung zum Tragen kommen (Mangelentwicklung, Anpassungsstörungen etc.) als auch zu Spätschäden bis hin zu einem erhöhten Malignomrisiko. 

Für Raucherinnen stellt sich nun die Frage, ob sie das Kind schützen können, wenn sie von der konventionellen Zigarette auf die E-Zigarette umsteigen. Auf dem Kongress der European Respiratory Society wurde im September von Dr. Pawan Sharma eine Studie vorgestellt, die gezeigt hat, dass es durch das Rauchen der E-Zigarette während der Schwangerschaft zu einem deutlich erhöhten Risiko für allergische Atemwegserkrankungen der Kinder kommt. Darüber hinaus ist bislang unklar, wie sich die beim Gebrauch der E-Zigarette freigesetzten Aromastoffe langfristig auswirken.

Zusammenfassend muss man daher sagen, dass der Umstieg von der konventionellen Zigarette auf die E-Zigarette keine sinnvolle Alternative in der Schwangerschaft darstellt, sondern dass einzig und allein der vollständige Verzicht auf das Rauchen empfohlen werden sollte. (Biermann Newsletter 39/2017)  

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