Experten Blog

Lesen Sie hier neue Fachbeiträge von Prof. Keck und anderen ärztlichen Kollegen rund um die Themen Gynäkologie, Endokrinologie und Labormedizin – mit aktuellen Erkenntnissen aus der ärztlichen Praxis. Natürlich sind Sie auch herzlich eingeladen: Tauschen Sie sich mit uns aus, senden Sie uns Ihre Beiträge, Themen oder Kommentare!

 

 

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Klassische Laparoskopie wird nach wie vor gegenüber der transvaginalen Laparoskopie bevorzugt
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 14.11.2017
  • OP-Techniken

Die transvaginale Laparoskopie wurde Ende der 1990er Jahre von der Arbeitsgruppe von S. Gordts aus Leuven, Belgien, eingeführt. Die potentiellen Vorteile der Methode gegenüber der konventionellen Laparoskopie liegen in ihrer deutlich geringeren Invasivität. In geübten Händen können peritoneale und ovarielle Endometrioseläsionen, tubare Veränderungen bzw. Adhäsionen zuverlässig erkannt und ggf. auch behandelt werden. Dennoch bietet die konventionelle Laparoskopie größere diagnostische und therapeutische Einsatzmöglichkeiten, und im Falle von Komplikationen lassen sich diese in der konventionellen Laparoskopie meist besser beherrschen als beim transvaginalen Zugangsweg. Der „Erfinder“ der transvaginalen Laparoskopie hat in einem aktuellen Statement die Vor- und Nachteile der beiden genannten Methoden verglichen und zieht das Resümee, dass die Entscheidung zur transvaginalen versus konventionellen Laparoskopie von der Expertise des Operateurs, dem zur Verfügung stehenden Equipment sowie dem zu erwartenden intraoperativen Befund abhängt. Gordts S. BJOG 2017; 124: 1206

Embolisation der Uterus-Arterie beeinträchtigt auch die ovarielle Funktion
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 10.11.2017
  • Forschung

Bei symptomatischem Uterus myomatosus steht die Embolisation der Arteria uterina als eine Therapieoption zur Verfügung. Ein koreanisches Forscherteam konnte nun zeigen, dass es durch die Embolisation bei prämenopausalen Frauen zu einer Beeinträchtigung der ovariellen Funktion kommt. Hierzu wurden 32 Patientinnen vor und nach Embolisation untersucht und eine Abschätzung der Ovarialreserve vorgenommen: Das Ovarvolumen und die Anzahl der Antralfollikel wurden sonographisch bestimmt und der Hormonstatus in der frühen Follikelphase durch Bestimmung der folgenden Parameter bestimmt: FSH, LH, AMH, Östradiol. Die Kontrollen nach Embolisation erfolgten drei bzw. zwölf Monate nach dem Eingriff. Während es keine signifikanten Unterschiede für FSH, LH und Östradiol gab, lagen sowohl der AFC- als auch der AMH-Spiegel signifikant unterhalb der präoperativen Werte, sodass von einer messbaren Abnahme der ovariellen Funktion ausgegangen werden muss. Literatur: Kim CW et al. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2016; 206: 172

Senkt Aspirin das Risiko zur Entwicklung einer Präeklampsie?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 07.11.2017
  • Studie

Die Präeklampsie gehört zu den schwerwiegenden Schwangerschaftskomplikationen. Die Kombination aus Hypertonie, Proteinurie und Ödemneigung stellt sowohl für die Mutter als auch für das Kind eine erhebliche Gefährdung dar. Schon 2014 wurde von der amerikanischen Gesundheitsbehörde die Empfehlung ausgegeben, durch Gabe von Aspirin dem Auftreten einer Präeklampsie vorzubeugen. Nun wurde in einer retrospektiven Studie bei mehr als 17.000 Geburten untersucht, ob die prophylaktische ASS-Einnahme tatsächlich das Risiko senkt. Es konnte gezeigt werden, dass die vorbeugende ASS-Einnahme bei Frauen, die in einer vorhergehenden Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickelt hatten, das Risiko für das erneute Auftreten dieser Komplikation tatsächlich um ca. 30 Prozent senkt. Durch den retrospektiven Charakter der Studie muss diese Aussage sicher kritisch hinterfragt werden, so lässt sich nicht genau sagen, ob die Teilnehmerinnen in der Behandlungsgruppe das ASS-Präparat tatsächlich zuverlässig eingenommen haben. Darüber hinaus waren ca. 70 Prozent der Studienteilnehmerinnen hispanischer Abstammung und es lässt sich nicht ausschließen, dass es für das Auftreten einer Präeklampsie auch eine ethnische Variabilität gibt. Ungeachtet dieser Kritikpunkte liefert die Studie jedoch einen weiteren Hinweis auf den protektiven Effekt der ASS-Einnahme im Hinblick auf das Risiko zum Auftreten einer Präeklampsie. Literatur: Tolcher MC et al. Am J Obstet Gynecol 2017; 217:365

Führt Schlafentzug zu Gestationsdiabetes?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 03.11.2017
  • Forschung

Schlafmangel gehört zu den durchaus typischen Symptomen in der Schwangerschaft. Etwa ein Viertel aller Schwangeren berichtet über eine deutliche Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens durch Schlafmangel. Schlafentzug führt zu messbaren Veränderungen im Stoffwechsel, so wird besonders der Kohlenhydratstoffwechsel negativ beeinflusst. Ein amerikanisches Forscherteam hat jetzt nachgewiesen, dass Schwangere, die zu wenig Schlaf bekommen, häufiger als Frauen mit guter Schlafqualität an Gestationsdiabetes erkranken. Frauen, die weniger als 6,25 Stunden Schlaf in der Nacht bekamen, hatten ein um 70 Prozent erhöhtes Risiko, im Verlauf der Schwangerschaft vorübergehend einen Diabetes zu entwickeln. Die Odds Ratio von 1,70 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,24 bis 2,33 statistisch signifikant.Fazit: Schwangere sollten auf ausreichenden Schlaf achten und mögliche Störfaktoren rechtzeitig eliminieren. Dadurch können sie ihr individuelles Risiko zur Entwicklung eines Gestationsdiabetes senken. (Sleep Medicine Reviews 2017; doi: 10.1016/j.smrv.2017.09.003)

Fettleibigkeit macht Brustkrebszellen „aggressiver“
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 01.11.2017
  • Studie

Die Zahl übergewichtiger und adipöser Menschen ist weltweit in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Nach Schätzungen der WHO hat sich die Zahl adipöser Kinder und Jugendlicher von 1975 bis 2016 verzehnfacht. Neben unmittelbaren Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System begünstigt Adipositas offensichtlich auch die Karzinomentstehung. Das berichten u. a. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München (TUM) und des Universitätsklinikums Heidelberg in ‚Cell Metabolism‘. 

Offensichtlich führen Substanzen, die hauptsächlich im Fettgewebe synthetisiert und sezerniert werden, zu einer Proliferation von Karzinomzellen und zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Metastasierung. Eine der zentralen Substanzen ist Leptin, ein Eiweiß, das primär für die Regulation des Fettstoffwechsels bedeutsam ist. 

Die aktuelle Studie trägt somit entscheidend dazu bei zu verstehen, weshalb Adipositas mit aggressiven Formen von Brustkrebs assoziiert ist und besonders bei postmenopausalen Frauen mit einem höheren Risiko einhergeht, an metastasierendem Brustkrebs zu erkranken.

Auch wenn die Zusammenhänge zwischen Fettstoffwechsel und Kanzerogenese bisher nur ansatzweise verstanden werden, so lassen sich daraus möglicherweise neue Therapieansätze ableiten. (Rios Garcia, M. et al. (2017): Acetyl-CoA Carboxylase 1-Dependent Protein Acetylation Controls Breast Cancer Metastasis and Recurrence. Cell Metabolism, DOI: 10.1016/j.cmet.2017.09.018)

Gene kontra Lebensstil – was bestimmt unsere Lebenserwartung?
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 27.10.2017
  • Forschung

Die rasanten Entwicklungen in der Genomforschung haben – neben vielen anderen Themen – auch die Frage aufgeworfen, welche Gene unsere Lebenserwartung maßgeblich bestimmen. Ein Forscherteam aus Edinburgh konnte tatsächlich vier Gene identifizieren, die signifikanten Einfluss auf unsere Lebenserwartung haben: HLA-DQA1/DRB1, LPA, APOE und CHRNA 3/5. Tatsächlich verändern Mutationen/Polymorphismen in diesen Genen die Lebenserwartung jedoch nur um wenige Monate. Demgegenüber ist offensichtlich der Einfluss von Lebensstilfaktoren ungleich stärker:

  • Ein erhöhter systolischer Blutdruck verkürzt die Lebenserwartung um durchschnittlich 5,2 Jahre
  • Ein erhöhter Nüchtern-Insulinwert verkürzt die Lebenserwartung um durchschnittlich 4,1 Jahre
  • Menschen mit erhöhtem BMI haben eine um durchschnittlich 3,8 Jahre verkürzte Lebenserwartung, und jede Packung gerauchter Zigaretten pro Tag „kostet“ sieben Lebensjahre

Menschen mit höherem Bildungsgrad leben ebenfalls länger als Menschen mit niedrigem Bildungsgrad, so wird jedes zusätzliche Jahr an der Universität mit elf Monaten längerer Rentenzeit „belohnt“. Dies ist möglicherweise auf den tendenziell gesünderen Lebensstil von Menschen mit hoher Bildung zurückzuführen. (Literatur: Nature Communications (2017: doi: 10.1038/s41467-017-00934-5)

Die „Pille“ schützt vor Gebärmutter- und Eierstockkrebs
  • Prof. Dr. med. Christoph Keck
  • 26.10.2017
  • Studie

Vor mehr als 50 Jahren wurde die Antibaby-Pille eingeführt. Seitdem wird in der Fach- und Laienpresse heftig und teilweise sehr kontrovers diskutiert, ob es durch Einnahme der Pille zu einer Steigerung des Krebsrisikos für die Frau kommt. Inzwischen konnte gezeigt werden, dass das Risiko „Pille und Krebs“ individuell ist und für jedes Malignom gesondert betrachtet werden muss.   Neue Daten weisen auf einen nahezu spektakulären Schutzeffekt durch Einnahme der Pille hin: Ein internationales Forscherteam hat 36 Studien ausgewertet und hinsichtlich des Risikos zur Entstehung einer Gebärmutterkrebserkrankung Folgendes festgestellt: Von 1.000 Frauen, die in ihrem Leben niemals die Pille eingenommen haben, erkrankten 23 an Gebärmutterkörperkrebs vor dem 75. Lebensjahr.Bei Einnahme der Pille über einen Zeitraum von 5 Jahren waren es lediglich 17 von 1.000 Frauen.Bei 10 Jahren Pillenanwendung erkrankten 13 Frauen und bei 15 Jahren Einnahme halbierte sich das Risiko für ein Endometriumkarzinom. Eine weitere Metaanalyse zeigt, dass die Einnahme der Pille über zehn Jahre oder länger das Ovarialkarzinomrisiko halbierte und dieser Effekt bis zu 30 Jahre nach Absetzen der Pille anhielt. (Literatur: Wenderlein J.M. Hormonale orale Kontrazeption zur Krebsprävention. Wirtschaftsmagazin für den Frauenarzt 5/2017).  

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