Experten Blog

Lesen Sie hier neue Fachbeiträge von Prof. Keck und anderen ärztlichen Kollegen rund um die Themen Gynäkologie, Endokrinologie und Labormedizin – mit aktuellen Erkenntnissen aus der ärztlichen Praxis. Natürlich sind Sie auch herzlich eingeladen: Tauschen Sie sich mit uns aus, senden Sie uns Ihre Beiträge, Themen oder Kommentare!

 

 

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Führen Myome zur Fehlgeburt ?
  • 01.03.2018
  • Prof. Dr. C. Keck

Viele Frauen "leiden" unter Myomen: in Mitteleuropa lassen sich diese gutartigen Tumoren bei ca. 20% aller Frauen nachweisen. In Afrika zum Beispiel ist die Inzidenz deutlich höher.

Es wird seit Jahren darüber kontrovers diskutiert, ob Myome zu einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko führen. Wissenschaftler der Vanderbild University (USA) haben nun das Abortrisiko von Schwangeren mit und ohne Myome verglichen. Hierzu wurden neun - für diese Fragestellung relevante - Untersuchungen ausgewertet. insgesamt wurden damit die Daten von 21829 Schwangeren analysiert. Es fand sich bei den Schwangeren mit Myomen kein erhöhtes Abortrisiko (RR 1,16: 95% KI 0.80-1,52).

Einschränkend muß man zu der Interpretation der Studie folgendes anmerken: nur 2 der o.g. Studien haben differenziert, ob das Fehlgeburtsrisiko von der Größe und/oder Anzahl der Myome abhängt. Diese beiden Studien kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Fazit: Die grundsätzliche Annahme dass Uterusmyome zu einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko führen scheint so nicht mehr haltbar zu sein. Dies muß z.B. bei der Indikationsstellung für chirurgische/laparoskopische Eingriffe beachtet werden. Es bleibt dabei, dass die Beratung betroffener Frauen die individuelle Situation berücksichtigen muß und dass dabei auch die jeweilige Ausprägung der myomatösen Veränderung dabei bedeutsam ist. 

Literatur: Sundermann AC et al. Leiomyomas in pregnancy and spontaneous abortions. a systematic Review and meta-Analysis. Obstet Gynedol 2017; 130: 1065-1072

Muß ein Prolaktinom in der Schwangerschaft behandelt werden ?
  • 22.02.2018
  • Prof. Dr. C. Keck

Wir unterscheiden Mikro- (< 10mm) von Makroprolaktinomen (> 10mm Durchmesser). Ausserhalb der Schwangerschaft werden die Prolaktinome meist medikamentös therapiert.

Hierzu werden sogenannte Dopaminagonisten verordnet.

Die meisten Dopaminagonisten (z.B. Cabergolin) sind in der Schwangerschaft nicht zugelassen und werden daher mit Beginn der Schwangerschaft abgesetzt.

Die Sorge, dass es während der Schwangerschaft zur Exazerbation der Symptomatik kommt ist weitgehend unbegründet: lediglich 1,5-5,5% der Mikroprolaktinome wachsen signifikant in dieser Zeit. Für Frauen mit Makroprolaktinomen wird diskutiert, ob 1 x pro Trimester eine Perimetrie angeboten werden soll.

Routinemäßige Prolaktinbestimmungen in der Schwangerschaft bei Frauen mit Prolaktinomen sind nicht sinnvoll, da es keine definierten Referenzbereiche gibt und sich aus diesen Messungen keine Indikation zur therapeutischen Intervention ableiten läßt.

 

 

Hormontherapie verhindert postmenopausale Depression
  • 21.02.2018
  • Prof. Dr. C. Keck

Der Einfluß einer postmenopausalen Hormontherapie auf Wechseljahrsbeschwerden ist seit Jahren Gegenstand der Diskussion. Eine aktuelle Studie vergleicht die Wirkung der transdermalen Estrogen- und oralen Progesterontherapie auf perimenopausale und postmenopausale Depression und kommt zu dem Schluss dass nach Anwendung der Hormontherapie über mindestens 1 Jahr signifikant seltener depressive Symptome auftraten im Vergleich zur Placebogruppe. Somit kann - bei Beachtung der bekannten Risikofaktoren - insbesondere auch den Frauen mit einer Disposition für depressive Erkrankungen die Anwendung einer HT empfohlen werden. Lit.: Gordon et al., JAMA Psychiatry. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2017.3998

Immer mehr Kinder nach künstlicher Befruchtung
  • Prof. Dr. C. Keck
  • 26.01.2018
  • Daten aus dem Deutschen IVF-Register

Erstmals 20.000 Kinder/Jahr nach einer künstlichen Befruchtung! Nicht nur die generelle Zahl der Geburten in Deutschland steigt nach Daten des statistischen Bundesamtes, sondern auch der Erfolg der künstlichen Befruchtung. Auf dem Kongress des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und – medizin e.V. (DVR) in München (07. – 09.12.2017) wurde das neue IVF-Register-Jahrbuch (D.I.R.-Jahrbuch) vorgestellt. Danach konnten 2015 mehr als 20.000 Kinder nach einer künstlichen Befruchtung geboren werden. 2011 waren es nur etwa 7.000 Kinder. Der Anstieg hat wahrscheinlich unterschiedliche Gründe. Einer ist die Zunahme der Behandlungszyklen von ungefähr 53.000 im Jahr 2011 auf etwa 65.000 Behandlungen innerhalb von 4 Jahren. Ein zweiter Punkt ist sicherlich die höhere Erfolgsquote. Nach dem deutschen IVF-Register liegt die Chance einer 35jährigen Patientin bei ca. 27% pro Behandlung, im Gegensatz zu einer 40jährigen mit ungefähr 15%. In einer entsprechenden Vorstellung im Spiegel online-Magazin vom 15.12.2017 wurde nochmals dargelegt, dass das Risiko der Mehrlingsschwangerschaft durch den Transfer von 2 oder 3 Embryonen deutlich erhöht ist. Um dieses Risiko zu reduzieren und die Chancen einer künstlichen Befruchtung noch weiter zu erhöhen, wird eine Änderung des Embryonen-Schutzgesetzes gefordert, welches bereits seit 1991 unverändert gilt.

Radfahren ist unschädlich für die männliche Sexualfunktion
  • Prof. Dr. C. Keck
  • 16.01.2018
  • Neue wissenschaftliche Studie

Radfahren sollte bei Männern weder die Sexualfunktionen beein¬trächtigen noch die des Harntrakts. Im Vergleich zu Schwimmern und Läufern war lediglich das Risiko für Harnröhrenstrikturen signifikant erhöht. Radfahrer berichteten auch häufiger über Taubheitsgefühle im Genitalbereich und wunde Stellen. Das zeigt eine Studie mit fast 4.000 Sportlern, die im Journal of Urology publiziert wurde (2017; doi: 10.1016/j.juro.2017.10.017). Die Forscher um Mohannad A. Awad von der University of California hatten die Radfahrer in 2 Gruppen unterteilt, die den Sport intensiv (n = 916) oder weniger intensiv (n = 1.858) betrieben. Die Grenze dafür verlief bei einer Radfahraktivität von mindestens 2 Jahren, mehr als 3 Trainingseinheiten pro Woche, was durchschnittlich 40 Kilometern pro Tag entsprechen sollte.

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist in der Schwangerschaft schwer zu diagnostizieren
  • 16.01.2018
  • Prof. Dr. Christoph Keck

  Die Frage, ob in der Schwangerschaft ein generelles TSH-Screening empfohlen werden kann, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Die Leitlinie des American College of Obstetricans and Gynecologists von 2015 spricht sich beispielsweise gegen ein universelles TSH-Screening in der Schwangerschaft aus (ACOG 2015). Sie empfiehlt stattdessen, die Schilddrüsenparameter nur bei Schwangeren zu bestimmen, wenn diese eine bekannte Vorerkrankung der Schilddrüse, eine Struma oder aber Symptome einer Schilddrüsenfunktionsstörung aufweisen. Unklar ist dabei allerdings, inwieweit bei Schwangeren überhaupt eine vergleichbare Korrelation zwischen klinischen Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion und der tatsächlichen Schilddrüsenstoffwechsellage besteht, so wie für nicht-schwangere Patientinnen belegt. Eine aktuelle niederländische Studie (Pop et al. 2017) untersuchte diese Frage an 2198 Frauen, indem klinische Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion mittels Fragebogen erfasst und mit den gemessenen Schilddrüsenwerten in der 12. SSW korreliert wurden. Hierbei ließ sich keinerlei Korrelation zwischen geschilderten Beschwerden und der Schilddrüsenstoffwechsellage feststellen. Es muss also im klinischen Alltag damit gerechnet werden, dass sowohl bei euthyreoten Patientinnen in der Schwangerschaft vermehrt Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion geäußert werden sowie andersherum auch eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft klinisch symptomlos bleiben kann. Literatur American College of Obstetricians and Gynecologists. Practice Bulletin No. 148: Thyroid disease in pregnancy. Obstet. Gynecol. 2015; 125: 996-1005 Pop VJ et al. Thyroid disease symptoms during early pregnancy do not identify women with thyroid hypofunction that should be treated. Clin. Endocrinol. (Oxf). 2017; Jul 26 [Epub ahead of print]

Höheres Fehlgeburtsrisiko bei niedrigem AMH-Wert
  • 05.01.2018
  • Prof. Dr. Christoph Keck

Die Bestimmung des AMH-Wertes wird typischerweise herangezogen, um die Eizellreserve einer Frau zu ermitteln. Bislang ging man davon aus, dass der AMH-Wert rein quantitativ zu interpretieren ist.

Nun haben französische Forscher den Zusammenhang zwischen AMH-Wert und der Eizellqualität untersucht. Hierzu wurden die Daten von 2688 IVF-Zyklen analysiert. In 1060 Zyklen kam es zu einer klinischen Schwangerschaft. Es konnte für diese Behandlungen ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem AMH-Wert und der Abortrate ermittelt werden. Der Zusammenhang war unabhängig vom Alter der Patientin und der Anzahl der gewonnenen Eizellen.

Die Autoren ziehen aus ihren Daten die Schlußfolgerung, dass AMH somit nicht nur einen quantitativen, sondern auch qualitativen Faktor darstellt, der nicht nur zur Abschätzung der Eizellreserve, sondern auch zur Beurteilung des reproduktiven Potenzials der Eizellen herangezogen werden kann.

Literatur: Tarasconi B et al. Fertil Steril 2017; 108: 518-524 

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